Samstag, 24. September 2016

Abyssinia Crisis: Historischer Hintergrund

Mein nächstes Hauptprojekt wird den 2. Abessinienkrieg 1935 (Italienisch-Äthiopischer Krieg) zum Thema haben - Äthiopien wurde damals noch als Abessinien (Abyssinien) bezeichnet, das Ganze auf Basis der Chain of Command Regeln.

Wie kommt man auf so ein Thema, könnte man sich sicherlich fragen.
Zum Einen gibt es dazu seit längerer Zeit eine Webseite, die sich mit dem Konflikt und seiner Umsetzung in Wargames widmet, die ich immer wieder regelmäßig lese und absolut zu empfehlen ist: https://abyssiniancrisis.wordpress.com/

Zum Anderen beschäftigt sich die Gruppe um Pedivere und KingKobra, zu der ich dazugestoßen bin, genau mit eben diesem Thema, inkl. einer geplanten Demo/Participation im Rahmen der Conflict 2017 in Langenfeld.

Quasi ist das ein absoluter Glücksfall, denn während man recht fix Spieler für die üblichen Epochen und Kriegsschauplätze findet, ist der Kreis der Interessenten für solche speziellen Themengebiete im eh schon relativ kleine Kreis der Wargamer doch extremst überschaubar.
Dabei bieten solch relativ kleinen und begrenzten Konflikte doch eine Menge Möglichkeiten, sich auf allen möglichen Gebieten auszutoben, sei es bei den Truppen, Gebäudebau etc. pp.

Zum Konflikt selber:
Im Prinzip reichte der Konflikt schon viele Jahre zurück, schon seit Ende des 19. Jahrhundert versuchte Italien im "Wettlauf" um koloniale Besitzungen zu den anderen europäischen Mächten aufzuholen, da es sich wie Deutschland erst wenige Jahrzehnte zuvor zu einem Nationalstaat entwickelt hatte und entsprechend (auch hier wie Deutschland) glaubte, sich soviel wie möglich vom Kuchen abschneiden müßte, der da Kolonien hieß.
Von Eritrea aus sollte auch Äthiopien zu einem italienischen Protektorat unterworfen werden, das "Abenteuer" endete aber 1. März 1896 mit einer völligen Niederlage gegen die äthiopischen Truppen unter ihrem Herrscher Menelik II. in der Schlacht von Adua.
Ausgelöst durch die großen Verluste in diesem Krieg kam es in mehreren großen italienischen Städten zu Kundgebungen, die ein Ende des Krieges forderten und im Oktober 1896 erfolgte dann schlußendlich die Unterzeichnung eines Friedensvertrages beider Staaten.

Doch schon 1906 schlossen Italien, Großbritannien und Frankreich einen Vertrag miteinander, der Abessinien zur gemeinsamen Einflußzone erklärte, dem geschlossenen Friedensvertrag aber eindeutig zuwiderlief und Mussolini letztlich dann als Vorwand für den 1935 ausbrechenden Krieg diente, den Äthiopien endgültig zur italienischen Kolonie machen sollte

Was Äthiopien so besonders machte war, daß es das letzte und einzige unabhängige Land auf dem afrikanischen Kontinent war; ein Status, der mit dem italienischen Sieg im Mai 1936 offiziell endete.

Das faszinierende an Konflikten wie diesen ist, welche verworrene Gemengelage hier im Spiel war und obwohl die Lunte offensichtlich nur in Richtung eines kleinen Pulverfäßchens zündelte, war doch darunter eine Sprengkammer verborgen, die einen durchaus respektablen Flächenbrand hätte auslösen können.
Frankreich versuchte damals mit allen Mitteln und fast schon verzweifelt, Deutschland um jeden Preis isoliert zu halten und war deshalb bereit, Italien unter Mussolini jede Menge Zugeständnisse zu machen, u.a. ließ das im Januar 1935 ausgehandelte Französisch-Italienische Abkommen Italien völlig freie Hand in Abessinien - das Ganze hatte fast schon Züge, wie wenige Jahre später das Münchener Abkommen.

Dagegen ist vom späteren Bündniss zwischen Deutschland und Italien noch keine Rede, ganz im Gegenteil, denn Mussolini hatte einen Anschlußversuch Österreichs an Deutschland verhindert, woraufhin Deutschland Waffen und Munition an Abessinien liefert, laut diversen Quellen sogar auch einige PaK.

Großbritannien wiederum sah dem italienischen Bestreben ebenfalls mit gehörigem Mißtrauen entgegen, sicherlich auch weil von Ost-Afrika durchaus der britische Seeweg von Indien über den Suez-Kanal bedroht werden konnte und die Briten verstanden bei derlei Dingen bekanntlich wenig Spaß, wenn sie ihre Handelprofite bedroht sahen.
Auch die Briten lieferten entsprechend reichlich Waffen an Abessinien, dazu gehörten auch Panzer, FlaK und dergleichen mehr.

Für den Wargamer bieten sich hier also unzähliche Möglichkeiten für Szenarien an, die weit über die tatsächlich beteiligten Truppen hinausgehen können und viele "Was wäre wenn Optionen" ermöglichen, etwa eine Intervention Frankreichs und/oder Großbritanniens, hier sogar auf verschiedenen Seiten möglich und und und - Grenzen setzt hier fast nur die eigene Vorstellungskraft, da sich hier aus einem lokal begrenzten Kolonialkrieg durchaus ein größerer Konflikt hätte entwickeln können.

Die abessinische Armee Stand 1935
Zum Zeitpunkt des italienischen Überfalls befand sich die Armee mitten im Umbruch und auf dem Weg von einer eher traditionellen Stammes- hin zu einer modernen Armee, einen Umbau, den der abessinische König Haile Selassie I. auf den Weg gebracht hatte.
Diese Umgestaltung erfolgte mit Hilfe ausländischer Militärberater, an erster Stelle von Belgiern, aber u.a. auch Russen und Türken.

Am weitesten fortgeschritten war dabei die äthiopische Garde, landesprachlich Kebur Zabanga.
Gegründet wurde diese etwa 1928 durch belgischen Militärberater auf Ersuchen von König Haile Selassie und in den Folgejahren weiter ausgebaut und ausgebildet u.a. durch schwedische Militärberater und belgische Kongo-Veteranen, die Garde war auch am besten ausgestattet, was aktuelle Waffentechnik anging, u.a. mit leichten Machinengewehren und BAR´s!

Die eigentlichen regulären Einheiten war die Mahel Safari, die allerdings mitten im Umbruch standen und somit einerseits schon relativ modern ausgerüstete und ausgebildete Einheiten umfasste, genau wie noch mehr oder weniger traditionell kämpfende Verbände, bei denen zwar Gewehre vorhanden waren, es aber an sowohl an modernen Strukturen, als auch an ebensolchen Waffen fehlte, wie etwa leichten MG´s.

Den größten Teil der abessinischen Truppen machten aber die quasi privaten Armeen äthiopischer Adeliger und Provinzgouverneure aus, die auch für deren Bewaffnung und Ausbildung verantwortlich waren.
Ein entsprechend buntes Bild gaben diese Truppen dann auch ab, denn neben persönlichen Vorlieben war es auch durchaus eine Sache des Prestiges, anhand der Bewaffnung "seiner" Truppen den eigenen Wohlstand zu zeigen.
Und so gab es Provinztruppen, die mehr oder weniger nach alter Väter Sitte kämpften und auch so bewaffnet waren - von ollen Flinten bis zu Speeren und Säbeln, wie es auch solche gab, die fast so gut ausgerüstet waren, wie die Einheiten der äthiopischen Garde!

Hier kann man sich also nach Herzenslust austoben, was Umbauten angeht, zumal die Auswahl an Figuren für diesen Krieg eingeschränkt ist.
Meine Wahl ist auf die Mahel Safari gefallen, für die es in 28mm von Empress Miniatures in ihrer Reihe zu den italienischen Konflikten passende Figuren gibt.
Natürlich ist die Auswahl an Posen begrenzt und spezielle Waffen wie MG´s fehlen völlig, hier muß man sich durch entsprechende Umbauten behelfen - aber dazu dann mehr in den nächsten Tagen.


Und hier ein paar Quellen, um sich einen ersten groben Überblick zu verschaffen:
https://en.wikipedia.org/wiki/Abyssinia_Crisis
https://abyssiniancrisis.wordpress.com/

Kommentare:

  1. Da bin ich wirklich mal gespannt! Man sieht ja schon kaum Italiener im WW2 auf den Spieltischen, aber der Abyssinienkrieg dürfte noch seltener gespielt werden.

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  2. Wobei sich die Italiener bei CoC gar nicht so schlecht spielen, wie ich fand - sie können ne ganze Menge wegstecken, auch wenn sie nicht die Flexibilität und Feuerkraft des Afrikakorps haben.

    Und ja, auf so eine Spielergruppe zu stoßen, die ein Thema wie den Abessinienkrieg als Thema wählt, dazu gehört ne Menge Schwein *gg*

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