Donnerstag, 11. August 2016

Zeitreisen: Ardennenoffensive und das Bastogne War Museum

Frühmorgens sollte es in Richtung Bastogne ins dortige "Bastogne War Museum" gehen, das sich unmittelbar neben dem Mardasson Memorial befindet, dem Denkmal für die im Laufe der Ardennenoffensive gefallenen US-Soldaten.

Adresse ins Navi und los - ein Fehler, wie sich noch mehrfach im Laufe des Tages herausstellen sollte, für die Navi-Software gelten in Belgien Feldwege scheinbar als "Befestigte Straßen", oder es hatte ganz einfach Bock, Bastogne auf 1944 benutzen Wegen zu erreichen und dabei die Offroad-Tauglichkeit unseres Stepway zu testen - die er mit Bravour bestanden und gleich auch noch bei der Gelegenheit seine Watfähigkeit eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat.

In Belgien wird Montagmorgens der Rasen gemäht, auch auf Autobahnen und zu diesem Behufe werden auch komplette Ausfahrten gesperrt und da man sich auch dort so wenig abspricht wie bei uns, war dann auch die als Umleitung deklarierte Ausfahrt wegen dem herzustellenden Rasen nach englischer Art - richtig, gesperrt.

Statt vor Lüttich Richtung Süden abzubiegen waren wir mittlerweile über Land in Stavelot gelandet, das wir auf Nebenstraßen wieder verließen und dabei auf die ersten Spuren von "Wacht am Rhein" stießen, Codename der Ardennenoffensive während der Planungen selbiger.
Ein prima erhaltener M3A1 Halftrack, an dem mittels Sondergenehmigung sogar ein .50-caliber M2 Browning machine gun montiert war.

Es steht an der Brücke über die Amel/Amblève und wurde zur Erinnerung an die schweren Kämpfe hier aufgestellt, die bis zum 13. Januar 45 in und um Stavelot tobten.

Besonders gewürdigt werden sollen damit laut Inschrift folgende Einheiten:
825th Tank Destroyer Bataillon
526th Armored Infantry Bataillon
30th Infantry Division "Old Hickory"

GPS-Daten: N 50.391343° O 5.932199°

Wie gesagt führte uns der Weg gen Bastogne quer durch die Ardennen auf den abstrustesten "Straßen", der Riesenvorteil dabei war, daß wir eine fantastische Landschaft zu sehen bekamen und deutlich wurde, warum das Gebiet der Ardennen als abseits von Straßen und Wegen als meist panzeruntauglich angesehen wurde: oft genug geht es auf einer Seite der Wege steil bergan, um auf der anderen Seite steil abzufallen.

Ein kleiner Eindruck der schönen Ardennenlandschaft, Bilder können das nicht annähernd wiedergeben.

GPS-Daten: N 50.368595° O 5.921441°

Eines der kleinen Ardennendörfer auf unserem Weg nach Bastogne, in dem Falle Ennal mit dem typischen Baustil der Ardennen. Ennal wurde am 22. Dezember von der 9. SS Panzerdivision im Zuge des angesetzten Angriffs auf Vielsalm genommen

 


Irgendwann erreichten wir dann die Umgebung von Bastogne, praktischerweise über Foy kommend und damit quasi direkt in den Kampfraum des 506th PIR, Easy-Company im Bois Jaques - an den Waldrändern sofort deutlich sichtbar Schilder, die das Sondengehen unter Strafe stellen.

Zu den Kampfhandlungen um Bastogne muß denke ich nicht mehr viel geschrieben werden - Bastogne (ein wichtiger Knotenpunkt im Verkehrsnetz) wurde wenige Tage nach Beginn der Ardennenoffensive von deutschen Truppen eingeschlossen und konnte in deren Verlauf nicht erobert werden.
Berühmt geworden ist in dem Zusammenhang die verbissene Verteidigung vor allem durch die 101th Airborne Division, die zur strategischen Reserve der Alliierten gehörte und sofort nach Bastogne geworfen wurde, bevor sich der Ring um die Stadt schließen konnte.
Hier ist es vor allem die Easy-Company des 506th Parachuting Infantry Regiments, die durch die Bücher von Stephen E. Ambrose und noch mehr die Verfilmung in "Band of Brothers" Berühmtheit erlangte.

Gedenkstein für die schweren Kämpfe im Bois Jaques - GPS-Daten: N 50.033579° O 5.752591°

im Wald hinter dem Gedenkstein: sichtbare Reste eines Schützengrabens

Wenige Kilometer weiter dann das Denkmal für die Easy-Company, 506th PIR, 101th Airborne:

GPS-Daten: N 50.028884° O 5.756469°


Wenige Minuten später war dann das Bastogne War Museum und das Mardasson Memorial erreicht, ein 2014 eröffneter Neubau an der Stelle des ehemaligen Bastogne Historical Center, alle Daten zum Museum wie Öffnungszeiten etc. sind direkt auf der Museumsseite zu finden:
Bastogne War Museum

Bastogne War Museum vom Dach des Mardasson aus gesehen - GPS-Daten: N 50.009352° O 5.739202°

Der Eintrittspreis von 14,- Euro pro Erwachsenen (ab 65 Jahren hat man freien Eintritt, da arbeite ich noch dran) liegt zwar über dem üblichen Museumspreis, beinhaltet aber eine geführte Audio-Tour.
Das Museum ist nach modernen Gesichtspunkten und für einfachen Zugang zu den Inhalten der Ausstellung ausgelegt - und in dem Falle mal durchaus gelungen und nicht wie so oft langweilig und voreingenommen und die ausgestellten Objekte ansprechend präsentiert.
Fotografieren ist erlaubt, solange der Blitz nicht benutzt wird, leider sind die Ausstellungsräume recht Dunkel und die Spots spiegeln sich dann entsprechend im Vitrinenglas - eine ungünstige Kombination für Unsereinen.

Die Audio-Tour ist wirklich gut gestaltet und wird mittels Sensoren gesteuert, die den jeweils passenden Text zu den Szenen einspielt, an denen man sich befindet.
Außerdem stellen sich im Eingangsbereich 4 Personen vor, die die Zeit aus ihrer jeweiligen Perspektive schildern und dem Besucher helfen sollen, sich in die damalige Zeit hineinzuversetzen - ein deutscher Leutnant, ein GI der 101th Airborne, ein 13 jähriger belgischer Junge und eine Lehrerin aus Bastogne. Durchaus als gelungen zu bezeichnen.

Sherman im Eingangsbereich

Im Original erhalten gebliebende Befehle und Erläuterungen der unter dem Tarnnamen "Wacht am Rhein" geplanten Offensive, die Model nochmal expliziet die von ihm favorisierte "Kleine Lösung" untersagte: Vorstoß zur Maas und dann Eindrehen nach Norden, um die dort kämpfenden Verbände der Amerikaner und Briten einzukesseln und zu zerschlagen.
Hitler indess bestand auf Durchführung der "Großen Lösung", der Einnahme von Antwerpen, um den Alliierten den leistungsfähigen Hafen wieder zu entreißen:



GI und US-Tanker inkl. zugehörigem Equipment wie Bazooka M1 Garant etc.

Pionier der Wehrmacht und US Army mit Sonde und Drahtschere

US Pilot und Infanterist der Glider Infantry, A5 Dropbox mittig und Fallschirm

Winterausrüstung der in den Ardennen kämpfenden Gegner

Ausrüstungsdetails eines Infanteristen der Wehrmacht

Sergeant 327th Glider Infantry Regiment, 101th Airborne

Willys Jeep des 327th GIR

Kübelwagen

Im folgenden 3 Bilder eines abgeschossenen Shermans. Man erkennt, daß direkt neben dem großen Einschlag noch einen PaK-Treffer, auf Bild 2 die Größe des Durchschlags (was auch immer dieses Loch verursacht hat) und auf Bild 3, wie die Explosion sich auf der anderen Seite des Shermans Platz verschafft hat. Alle Armaturen im inneren sind von Splittern durchsiebt, das Trefferbild kann eigentlich niemand überlebt haben ...





Jagdpanzer 38(t) "Hetzer"

verschiendene deutsche Uniformen der im Rahmen der Ardennenoffensive eingesetzen Einheiten

deutscher Infanterist in Sumpftarn-Uniform mit StG44

GI´s der 10th ID und 101th Airborne vor ihren Divisionsfahnen

britischer Panzerfahrer und Infaterist der 17th Airborne

das Abzeichen der 17th Airborne

Im folgenden Bild zu sehen ist links ein Fallschirmjäger des Unternehmens Stößer unter dem Kommando von Friedrich August von der Heydte, bei dem Fallschirmjäger hinter der alliierten Frontlinie abspringen und Kräfte von der umkämpften Front abziehen und binden sollte.
Aufgrund der unerfahrenen Piloten der JU-Transportmaschinen wurden die Fallschirmjäger verstreut über den halben Ardennen abgesetzt und das Unternehmen schlug fehl.

Rechts ist ein als GI verkleideter Angehöriger des Kommandos Skorzeny zu sehen, daß vor der Offensive mit Infanterietrupps und als M10 getarnten Panthern durch die feindlichen Linien schlüpfen, Verwirrung stiften und wichtige Brücken sichern sollte.
Auch dieses Kommandounternehmen schlug von wenigen Ausnahmen abgesehen im Großen und Ganzen fehl, die meisten Angehörigen wurden gefaßt und standrechtlich erschossen.


Die folgenden 3 Bilder zeigen einen Soldaten einer nicht näher spezifizierten Luftwaffen Felddivision mit einem näheren Blick auf seine Uniformjacke im sogenannten "Splittertarn", amtliche Bezeichnung "Buntfarbenmuster 31" und dem Fallschirmjägergewehr 42





Die folgenden Bilder zeigen Ausrüstung und Waffen der gegnerischen Armeen:

abgeworfener Zusatztank der Luftwaffe

MG42 a sMG auf Dreibein und Granatwerfer 34 (8cm)

Panzerschreck

Granatwerfer und sMG der US Army


Sanitäter beider Seiten, die notdürftig zusammenflicken sollten und mußten, was der Krieg an Wunden gerissen hatte - auch ummöglichst viel von dem Treibstoff zu bewahren, der einen Krieg überhaupt am Laufen hält: Soldaten

alliierte Sanitäter und ihre Ausstattung

deutscher Sanitäter und verwendete Ausrüstung


Auch 2 originale Uniformteile von 2 Generälen der Gegner der Ardennenoffensive gehören dem Museum - oben zu sehen die von Omar Nelson Bradley, darunter der Ledermatel von Hasso Eccard von Manteuffel, Befehlshaber der 5. Panzerarmee, die als einzige mit ihren Spitzen die Maas fast erreicht hätte, nämlich bei Dinant.




Zum Ende des Rundganges, der sich über 2 Etagen erstreckt, werden einerseits Gegenstände der den Kämpfen ausgesetzten unzähligen Zivilisten präsentiert, als auch eine Auswahl der unzähligen militärischen Funde aus der Schlacht in den Ardennen.






Den Abschluß bildet ein Diorama mit stilisierten Gräbern von kurz vor Ende der Kampfhandlungen noch getöteten Zivilisten und Soldaten, die die ganze Sinnlosigkeit von Krieg verdeutlichen soll und einen dann wirklich innehalten läßt.




Wie gesagt befindet sich das Bastogne War Museum unmittelbar neben dem Mardasson Memorial, das 1950 errichtet wurde und an die US-Soldaten erinnern soll, die im Laufe der Ardennenschlacht gefallen sind.



Auf dem Dach des Memorials sind am Ende der jeweiligen Spitzen des Pentagramms Bronzetafeln angebracht die zeigen, welche Kämpfe in der jeweiligen Blickrichtung stattfanden, in die die Spitze zeigt.
Im gewählten Bild ist dies die Blickrichtung zum Kampfgebiet der oben erwähnten Easy-Company.





Die Besuchsdauer ist vom Museum auf ca. 2h angesetzt, der letzte Einlass findet entsprechend dann auch nur bis 2 Stunden vor Schließung des Museums statt und diese 2h braucht man auch, wenn man nicht gerade im Dauerlauf durch die Ausstellung prescht.

Unser Heimweg verlief dann ähnlich dem Hinweg, nur dann durch Luxemburg, wiederum meist abseits der Hauptstraßen und so stießen wir noch auf folgendes Denkmal in Lullingen/Lullange:

Auf ihrem Vormarsch nach Ende der Ardennenschlacht wunderten sich die US Soldaten, daß sie inmitten der Zerstörungen auf ein unbeschädigtes Dorf stießen und fanden die Erklärung scheinbar darin, daß es hier eine Kapelle der Heiligen Barbara gab, der Schutzheiligen der Artilleristen (und aller mit Kanonen ausgestatteten Truppen, ergo auch Panzern und Panzerjägern).
Sie umringten die Kapelle mit ihren Panzern und mit Helm ab zum Gebet beteten sie zu ihrer Schutzheiligen.
Die Kapelle wurde dann anschließen noch von den Tank-Destroyers renoviert (leider schweigt sich die Erinnerungstafel darüber aus, welche Einheiten genau es waren).
Am 2. März 1945 zogen die letzten US Soldaten aus Lullingen ab und hinterließen eine Erinnerungstafel in der Kapelle, die nun am von Panzerketten umrandeten Denkmal angebracht ist.

besagtes Denkmal - GPS-Daten: N 50.058512° O 5.942614°

und die Kapelle der heiligen Barbara

Ein absolut lohnenswerter Ausflug in die Geschichte und da Bastogne und Umgebung noch mehr zu bieten hat, waren wir sicher nicht zum letzten Mal hier.

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