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Sunday, August 28, 2016

Zeitreisen - Ardennenoffensive: La Gleize und Stoumont

Als nächste Ziele stand für uns der nördliche Abschnitt der Ardennenoffensive auf dem Plan, genauer La Gleize, Stoumont und Stoumont Bahnhof, der einige Kilometer westlich von Stoumont im Tal der Amblève liegt.
Anschließend wollten wir der Amblève folgend bis Remouchamps weiter, um uns die dortige Grotte anzuschaun - vor allem im Sommer sehr angenehm, da die Temperatur in der riesigen Grotte nie über 14° liegt.

Auf dem Weg nach La Gleize durchquerten wir erneut Stavelot, diesmal aber von Westen kommend und direkt am Ortseingang stößt man auf das Denkmal "Memorial Ontmijners Demineurs", welches zu Ehren der Männer errichtet worden ist, die beim Entschärfen der unzähligen Minen nach dem Krieg ums Leben gekommen sind und zeigt ihre Namen und Dienstgrade.

Memorial Ontmijners Demineurs - GPS-Daten: N 50.396750° O 5.935803°

Nach dem Verlassen von Stavelot windet sich die Landstraße in oft engen Kurven und dabei stetig steigend hinauf nach La Gleize durch die typische (wunderschöne) Ardennenlandschaft, in der man abseits der Wege auch mit Panzern aufgeschmissen war/ist, weil oft auf einer Seite der Straße das Gelände steil abfällt und auf der anderen zum Ausgleich steil ansteigt und eine (oder gleich beide) Seiten dazu noch ordentlich bewaldet sind.

Auf dem Weg zum Museum December 44 stößt man natürlich direkt auf den damals von der Kampfgruppe Peiper zurückgelassenen "Königstiger" - richtiger: Panzerkampfwagen VI Ausf. B Tiger II (Sd.Kfz. 182) - mit der Nummer 213.
Eigentlich zur Besatzung von Franz Faustmann gehörend, wurde er aber von der Mannschaft um Kommandant Helmut Dollinger übernommen, nachdem deren Panzer kampfunfähig geworden war.

Ausführliche Details zum Denkmalspanzer sind auf dieser Museumsseite zu finden, u.a. auch, daß der Panzer wie alle anderen zurückgelassenen Fahrzeuge nach dem Krieg den Weg in die Schmelzöfen antreten sollte, ihm dieses Schicksal aber erspart blieb, weil er im Tausch gegen eine Flasche Cognac den Besitzer wechselte und so der Nachwelt erhalten blieb.
Nicht alles an ihm ist heute 100% historisch korrekt. So stammt die Mündungsbremse und der vordere Teil des Rohrs beispielsweise von einem abgeschossenen Panther und fand zuvor jahrelang als Pfosten eines Gebäudeanbaus Verwendung - 213 hatte einen großen Teil seines Kanonenrohrs im Gefecht mit Sherman´s verloren und wurde daraufhin durch seine Besatzung gesprengt und zurückgelassen.

Tiger II No. 213 vor dem Museum - GPS-Daten: N 50.410319° O 5.846198°

Und hier ein historisches Fotos des 213, nach der Rückeroberung von La Gleize durch die Amerikaner.
Beim Vergleich mit dem obigen Bild des heutigen Zustandes deutlich zu sehen die Treffer, die die Panzerung nicht durchschlagen konnten, wie auch das zerstörte Rohr.



Zufällig stand an dem Tag ein wunderschön restauriertes Motorrad direkt neben der Großkatze, auch wenn es von der anderen Feldpostnummer war.
Einziges modernes Zugeständnis war eine Handyhalterung am Lenkrad wegen Navi und so - die war aber a) abnehmbar und b) so gebaut, daß sie nur bei näherem Hinsehen auffiel.



Das Museum selbst ist in dem Gebäude (mit modernem Anbau) untergebracht, das der Kampfgruppe Peiper als Lazarett diente und die Ausstellung erstreckt sich über beide Gebäude und 2 Etagen.

Der Großteil der Ausstellungsstücke sind vor allem was die deutsche Seite angeht zurückgelassene Ausrüstung, vor allem Uniformen wurden noch bis in die 70er Jahre bei Renovierungsarbeiten im Dorf in großer Zahl gefunden!
Beim Ausbruch aus dem Kessel von La Gleize nahmen die Reste der KG Peiper nur das mit, was unbedingt nötig war und nicht behinderte.

Im Außenbereich des Museums erinnern einige Gedenktafeln an die hier stattgefundenen Ereignisse und die daran beteiligten alliierten Einheiten, u.a. die 82nd Airborne:



Im oberen Stockwerk, in dem der Rundgang beginnt, werden eher Einzelstücke mit ihrem Hintergrund und/oder ihrer Geschichte präsentiert, im Erdgeschoß wurden zusätzlich zu Szenen arrangierte Figuren zusammengestellt, die dem Besucher die Geschehnisse eher in einem Kontext zeigt, der es dem Besucher einfacher machen soll, sich Geschichte greifbarer vorzustellen.

Die Umgebung von La Gleize in einem Diorama; hier bekommt man schon eine Ahnung davon, welche Schwierigkeiten das Gelände der Ardennen einem Vorstoß mit Panzern in den Weg legte.
Die Lichtverhältnisse sind für ein Foto leider mehr als suboptimal . im Vordergrund zu sehen ist die Obstplantage, in der hauptsächlich SdKfz 251 mangels Treibstoff zurückgelassen werden mußten.



US-Rationen und Stahlhelme

Feldjacke im sogenannten Erbsenmuster

und hier als Platanenmuster

auch damals schon durfte die Presse natürlich nicht fehlen

Schütze eines MG-Trupps in Uniform aus verschiedenen Tarnmustern.

Alles was beim Ausbruch aus dem Kessel von La Gleize hinderlich war, blieb zurück, das galt auch für Offiziere.



Auch zur fehlgeschlagen Operation Stösser, die amerikanische Einheiten im Rückraum binden sollte, gab es Informationen und Ausrüstungsstücke - besonders den FJ-Helm mit dem Nackenbehang habe ich so noch nirgends gesehen.





Weiter geht es mit im Ort gefundenen Stücken, u.a. einem Knochensack in Splittertarn, FJG 42 und Munitionskasten.
Bei Lanzerath brach Kampfgruppe Peiper zusammen mit mit dem Fallschirmjäger-Regiment 9 der 3. Fallschirmjäger Division durch die amerikanischen Stellungen und drehte mit seinen Panzen dann nach Süden aus dem Kampfgebiet der 3 FJD ab.
Teile des 1. Bataillons des FJR 9 verbleiben aber zum Schutz der Panzer bei der Kampfgruppe und nehmen dann entsprechend an den erbitterten Kämpfen um La Gleize und Stoumont teil; der Knochensack gehörte einem dieser Fallschirmjäger.



Der folgende Mantel wurde in den 70er Jahren im sogenannten Marèchal-Haus bei Umbauarbeiten gefunden. Anhand der in den Taschen gefundenen 2 Taschentücher konnte er dem damals 22 jährigen Willi Jonas zugeordnet werden.



Feldjacke M-41, Major Kenneth T. McGeorge gehörend, der die gleichnamige Task Force der 3rd Armored Division kommandierte.
Diese erhielt am Morgen des 20. Dezember den Befehl, die Straße von Stoumont nach La Gleize vom Feind frei zu machen und bestand aus einer Panzer- und einer verstärkten Kompanie Armored Infantry.



Einer der in und um La Gleize von der Luftwaffe abgeworfenen Treibstoffbehälter, der die KG Peiper mit dem dringend benötigten Nachschub an Treibstoff versorgen sollte, von denen aber nur 10% im Zielgebiet landeten und geborgen werden konnten.
Die deutsche Panzerspitze war praktisch schon lange bevor sie durch die erfolgreichen Gegenstöße der US-Truppen tatsächlich eingekesselt wurde, von jeder Nachschubversorgung abgeschnitten


Problem Nr. 1 war für die deutsche Seite von Anfang an die Nachschubfrage und hier zuallererst das Treibstoffproblem.
Zwar war theoretisch ausreichend Treibstoff verfügbar, allerdings konnten die gepanzerten Einheiten nur mit 2 Tagessätzen, von denen jeder theoretisch 70km Fahrtstrecke ermöglichen sollte, zu Beginn der Offensive versorgt werden, bedingt durch das Gelände letzlich deutlich weniger.

Durch das zerstörte Bahnnetz konnte der Nachschub größtenteils nur bis zum Rhein per Bahn transportiert und sollte von da aus dann per Lastwagen den Truppen nachgeführt werden, was sich in der Praxis dann mehrheitlich als undurchführbar herausstellte.
Gründe wie unpassierbar gewordene und verstopfte Straßen, zu wenige und verschlissene Tankwagen und später mit sich bessernder Wetterlage die Lufthoheit der Alliierten, die Transporte bei Tag unmöglich machte, waren schon allein ausreichend, diese Planungen ad absurdum zu führen.

Im Falle Kampfgruppe Peiper kam noch der verbissene Widerstand der Amerikaner dazu, gegen die die gepanzerten Truppen Peipers zwar oft genug einen Durchbruch erzwingen konnten, welcher hinter ihnen aber recht schnell wieder abgeriegelt werden konnte, wie etwa in Bütgenbach, Malmedy und Stavelot.
Den den Panzern aufgrund mangels Transportmöglichkeiten nur mit Abstand nachfolgenden Truppen gelang es dann meist nicht, die Nachschubstraßen/Brücken wieder freizukämpfen mit der Folge, daß kein Nachschub nach vorne zu den Panzerspitzen gelangen konnte.

Ein weiteres interessantes Detail des wirklich absolut empfehlenswerten Museum December 44:
Pilot der Air Force als vorgeschobener Beobachter (Forward Air Controller = FAC).
Üblicherweise waren das zumeist erfahrene Kampfpiloten mit der Aufgabe, Luftschläge im Umfeld der Einheiten zu koordinieren, denen sie zugeteilt waren.
Hier ein der 3rd Armored Division zugeteilter FAC:



Weiter geht es dann im Erdgeschoß u.a. mit den angesprochenen Figurengruppen, beginnend mit einem Beiwagen-Krad; leider lassen sich nicht alle Details per Kamera einfangen.









Eine Infotafel zum historischen Presbyterium, in dem das Museum beheimatet ist und das während der Kämpfe als Feld-Lazarett diente und darunter hier zurückgebliebenes Verbandsmaterial, Medikamente etc.





Aufgrund der schweren Kämpfe und des Ausbruchs aus dem Kessel wurden nach dem Krieg in der Gegend sehr viele Bodenfunde gemacht, auch diesem Thema sind einige Vitrinen gewidmet.




Den Abschluß des Museums bildet der hauseigene Museums-Shop, in dem neben den üblichen Andenken, Aufnähern und Büchern auch Militaria erhältlich ist und das in großer Zahl und Auswahl.
Angefangen von nachgemachter Ausrüstung/Uniformen, über unbenutzte Originalstücke aus den nach dem Krieg gut gefüllten Arsenalen der Alliierten bis hin zu Originalfunden, restauriert und unrestauriert.
Der geneigte Käufer sollte für letzteres allerdings eine recht prall gefüllte Geldbörse sein eigen nennen - ein deutscher Stahlhelm kann ab Übergabe von 1500 Eurönchen den Besitzer wechseln; sind auf selbigem noch 2 Runen zu sehen, muß schon fast das doppelte berappt werden (und wird auch, wie entsprechende "Reserviert" Schilder zeigen).

Zurück im Tageslicht haben wir uns noch in La Gleize selbst etwas umgeschaut.
Die in den Kämpfen schwer beschädigte Kirche von La Gleize, aus Richtung des Museums gesehen.


Und hier links an der Kirche vorbei aus mit Blickrichtung auf die Straße nach Stoumont, die etwa in der Mitte des Bildes den Hang entlang verläuft.



Auch wir brachen dann schließlich nach Stoumont auf.
Unmittelbar vor Stoumont bestand damals dann auch erstmals die Möglichkeit, mit Panzern von der Straße abweichen und auf freiem Feld kämpfen zu können. Entsprechend konnten so auch die amerikanischen Stellungen im damaligen Rouat angegriffen werden, das heute komplett in Stoumont aufgegangen ist.
Der ganze Ort ist ja heute deutlich größer als zur damaligen Zeit und stellt nicht mehr nur eine Ansammlung von 30 Häusern dar.

Noch nachvollziehbar ist das folgende Foto der Kämpfe um Stoumont, welches den Orteingang aus La Gleize kommend mit einem Panther im Vordergrund und einen abgeschossenen Panther im Hintergrund zeigt - das Bild darunter zeigt den heutigen Zustand.

                                      



Der Hauptstraße rechts an der Kirche vorbei folgend war damals eine 90mm FlaK postiert, wie der Skizze (eine prima Grundlage für ein Szenario) zu entnehmen ist, wie sie anhand von Augenzeugenberichten etc. von Emile Lacroix gezeichnet wurde.
Sie gehörte zur C Battery der 143th AAA unter dem Befehl von Lt. Kent und ihrer Besatzung gelang es, besagten Panther abzuschießen, als Peiper mit seinen Panzern in den Morgenstunden des 19. Dezember Stoumont angreift.
Im weiteren Verlauf des Gefechtes werden diese und die weiteren 90mm Kanonen, die in und um Stoumont platziert waren, dann von den deutschen Panzern außer Gefecht gesetzt, ohne daß diese einen weiteren Abschuß erzielen konnten.
Neben Stoumont selber wird auch Rouat genommen.

Skizze zum Gefecht von Stoumont, gezeichnet von Emile Lacroix, aus dem Museum December 44

Stoumont "Robinson House" - GPS-Daten: N 50.405946° O 5.808995°

Das sogenannte "Robinson House", das auf den Bildern oben und im Folgenden zu erkennen ist, blieb nahezu unverändert erhalten.

Hier noch 2 historische Aufnahmen von der Eroberung Stoumonts durch KG Peiper.
Bild 1 zeigt das Robinson Haus nochmals deutlicher:



Auf dem zweiten Bild geht ein MG-Trupp des Fallschirmjäger-Regiments 9 seitlich vor besagtem Robinson Haus in Stellung..




Weiter in Richtung Stoumont Station kommt man am St. Edouard vorbei, welches von deutscher Seite erbittert verteidigt und entsprechend zerstört worden ist, als die Gegenstöße der Amerikaner zur Rückeroberung von Stoumont erfolgten.

Stoumont St. Edouard - GPS-Daten: N 50.411465° O 5.804278°

Hier ein Vergleich zu einer alten Ansichtskarte - die Standorte für das jeweilige Foto düften sogar ziemlich gleich sein, nur das die Umgebung heute sehr stark bewachsen ist.



Wie wenig besiedelt die Gegend zur damaligen Zeit war, zeigt eine weitere alte Ansichtskarte:




Der Straße dann von Stoumont nach Targnon und dem nächsten Ziel, dem ehemaligen Bahnhof von Stoumont (heute Bahnhof Targnon) folgend, fanden wir linkerhand kurz hinter Stoumont einen Aussichtspunkt namens "Kongo" mit einem fantastischen Blick hinunter ins Tal der Amblève, in dem auch die Eisenbahnlinie verläuft, an der der Bahnhof Stoumont liegt.
Wieder gut zu erkennen, welche Probleme die Landschaft einem Angriff mit Panzern entgegensetzt und wie schmal das Tal ist.

Aussichtspunkt "Congo" - GPS-Daten: 50.412444° O 5.799327°

Dem Straßenverlauf talwärts folgend, erreicht man das Bahnhofsgelände - den Beginn der Schilderung macht wiederum eine Skizze aus dem Museum.

Skizze zum Gefecht von Stoumont Station, gezeichnet von Emile Lacroix, aus dem Museum December 44

Lt. Kent, von dem ja schon weiter oben die Rede war, hatte sich dem Rückzugsgefecht des 119th Infantry Rgt. der 30th Infantry Division (Old Hickory) angeschlossen und zeichnete sich dann im Verlauf des Kampfes um den Bahnhof Stoumont erneut aus.
Er postierte eine seiner verbliebenen 90mm Kanonen in vorgeschobener Lage in Höhe des Lagerschuppens des Bahnhofes und es gelang ihm und seiner Crew, 2 Panther nacheinander dergestalt abzuschießen, daß deren Wracks anschließend die Straße komplett blockierten.

Er und seine Crew waren schließlich aber im Laufe des Gefechts dann noch gezwungen ihre Kanone zu sprengen, da sie Gefahr liefen, von an der Bahnlinie vorstoßender deutscher Infanterie mit Unterstützung durch ein Halbketten-Fahrzeug umgangen zu werden.
Er zog sich anschließend dann auf die Verteidigungslinie des I/119th Inf. Rgt. zurück.
Durch die erkaufte Zeit war es den Amerikanern möglich, eine Verteidigungslinie einzunehmen und alle weiteren Angriffe hier abzuweisen, Lt. Kent wurde entsprechend mit dem Silver Star ausgezeichnet.




Folgend zwei Bilder, wie sich die Situation heute darstellt.
Im oberen Bild der Güterschuppen mit Blick auf das Hotel (das Bahnhofsgebäude selbst existiert nicht mehr) und die aus Stoumont kommende Straße, über die der deutsche Vorstoß erfolgte.
Links vom Hotel macht die Straße wieder einen Bogen nach rechts, dort wurden die Panther abgeschossen und wären gerade noch sichtbar.

Stoumont Station - GPS-Daten: N 50.417451° O 5.770988°

Und hier der Blick in Richtung der an der Amblève entlang in Richtung Remouchamps verlaufenden Straße, links wiederum der Güterschuppen.
Im Hintergrund zwischen den Bäumen schwenkt die Straße nach rechts, in der Höhe befand sich die Verteidigungslinie des 119th Infantry Regiments.


Gut zu sehen, wie schmal das Tal ist, was dem Verteidiger alle nur denkbaren Vorteile bot, zumal sich die Beschaffenheit des Geländes auf lange Sicht nicht änderte und im Gegenteil sogar noch schmaler zuläuft, wie noch zu sehen sein wird.

Hier war der historische Teil unserer Tour beendet und wir machten uns auf den Weg in das kleine Ardennenstädtchen Remouchamps, um uns die dortigen bekannten Grotten anzuschaun.

Unterwegs legten wir noch einen kurzen Stop an der Amblève ein, da ein Imbisstand uns mit echten belgischen Frites lockte und unser Magen energisch nach Treibstoff verlangte.
Die Frites Special waren mörderlecker und die sich bietende Aussicht genial - spätestens jetzt wüßte man auch, warum das Tal ein sehr beliebtes Ausflugsziel und Wandergebiet ist.

Die Amblève - GPS-Daten: N 50.472303° O 5.717642°


Auch hier wieder gut zu sehen, wie schmal das Tal ist - beide Bilder vom gleichen Standort aus geschossen, nur 180° um die eigene Achse gedreht.

Übrigens - die Grottes de Remouchamps sind absolut eine Reise wert!
Für eine Führung inkl. Bootsfahrt durch den tieferen Teil der Grotten sollte man aber locker 2h einplanen - atemberaubende Eindrücke garantiert!

Thursday, August 11, 2016

Zeitreisen: Ardennenoffensive und das Bastogne War Museum

Frühmorgens sollte es in Richtung Bastogne ins dortige "Bastogne War Museum" gehen, das sich unmittelbar neben dem Mardasson Memorial befindet, dem Denkmal für die im Laufe der Ardennenoffensive gefallenen US-Soldaten.

Adresse ins Navi und los - ein Fehler, wie sich noch mehrfach im Laufe des Tages herausstellen sollte, für die Navi-Software gelten in Belgien Feldwege scheinbar als "Befestigte Straßen", oder es hatte ganz einfach Bock, Bastogne auf 1944 benutzen Wegen zu erreichen und dabei die Offroad-Tauglichkeit unseres Stepway zu testen - die er mit Bravour bestanden und gleich auch noch bei der Gelegenheit seine Watfähigkeit eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat.

In Belgien wird Montagmorgens der Rasen gemäht, auch auf Autobahnen und zu diesem Behufe werden auch komplette Ausfahrten gesperrt und da man sich auch dort so wenig abspricht wie bei uns, war dann auch die als Umleitung deklarierte Ausfahrt wegen dem herzustellenden Rasen nach englischer Art - richtig, gesperrt.

Statt vor Lüttich Richtung Süden abzubiegen waren wir mittlerweile über Land in Stavelot gelandet, das wir auf Nebenstraßen wieder verließen und dabei auf die ersten Spuren von "Wacht am Rhein" stießen, Codename der Ardennenoffensive während der Planungen selbiger.
Ein prima erhaltener M3A1 Halftrack, an dem mittels Sondergenehmigung sogar ein .50-caliber M2 Browning machine gun montiert war.

Es steht an der Brücke über die Amel/Amblève und wurde zur Erinnerung an die schweren Kämpfe hier aufgestellt, die bis zum 13. Januar 45 in und um Stavelot tobten.

Besonders gewürdigt werden sollen damit laut Inschrift folgende Einheiten:
825th Tank Destroyer Bataillon
526th Armored Infantry Bataillon
30th Infantry Division "Old Hickory"

GPS-Daten: N 50.391343° O 5.932199°

Wie gesagt führte uns der Weg gen Bastogne quer durch die Ardennen auf den abstrustesten "Straßen", der Riesenvorteil dabei war, daß wir eine fantastische Landschaft zu sehen bekamen und deutlich wurde, warum das Gebiet der Ardennen als abseits von Straßen und Wegen als meist panzeruntauglich angesehen wurde: oft genug geht es auf einer Seite der Wege steil bergan, um auf der anderen Seite steil abzufallen.

Ein kleiner Eindruck der schönen Ardennenlandschaft, Bilder können das nicht annähernd wiedergeben.

GPS-Daten: N 50.368595° O 5.921441°

Eines der kleinen Ardennendörfer auf unserem Weg nach Bastogne, in dem Falle Ennal mit dem typischen Baustil der Ardennen. Ennal wurde am 22. Dezember von der 9. SS Panzerdivision im Zuge des angesetzten Angriffs auf Vielsalm genommen

 


Irgendwann erreichten wir dann die Umgebung von Bastogne, praktischerweise über Foy kommend und damit quasi direkt in den Kampfraum des 506th PIR, Easy-Company im Bois Jaques - an den Waldrändern sofort deutlich sichtbar Schilder, die das Sondengehen unter Strafe stellen.

Zu den Kampfhandlungen um Bastogne muß denke ich nicht mehr viel geschrieben werden - Bastogne (ein wichtiger Knotenpunkt im Verkehrsnetz) wurde wenige Tage nach Beginn der Ardennenoffensive von deutschen Truppen eingeschlossen und konnte in deren Verlauf nicht erobert werden.
Berühmt geworden ist in dem Zusammenhang die verbissene Verteidigung vor allem durch die 101th Airborne Division, die zur strategischen Reserve der Alliierten gehörte und sofort nach Bastogne geworfen wurde, bevor sich der Ring um die Stadt schließen konnte.
Hier ist es vor allem die Easy-Company des 506th Parachuting Infantry Regiments, die durch die Bücher von Stephen E. Ambrose und noch mehr die Verfilmung in "Band of Brothers" Berühmtheit erlangte.

Gedenkstein für die schweren Kämpfe im Bois Jaques - GPS-Daten: N 50.033579° O 5.752591°

im Wald hinter dem Gedenkstein: sichtbare Reste eines Schützengrabens

Wenige Kilometer weiter dann das Denkmal für die Easy-Company, 506th PIR, 101th Airborne:

GPS-Daten: N 50.028884° O 5.756469°


Wenige Minuten später war dann das Bastogne War Museum und das Mardasson Memorial erreicht, ein 2014 eröffneter Neubau an der Stelle des ehemaligen Bastogne Historical Center, alle Daten zum Museum wie Öffnungszeiten etc. sind direkt auf der Museumsseite zu finden:
Bastogne War Museum

Bastogne War Museum vom Dach des Mardasson aus gesehen - GPS-Daten: N 50.009352° O 5.739202°

Der Eintrittspreis von 14,- Euro pro Erwachsenen (ab 65 Jahren hat man freien Eintritt, da arbeite ich noch dran) liegt zwar über dem üblichen Museumspreis, beinhaltet aber eine geführte Audio-Tour.
Das Museum ist nach modernen Gesichtspunkten und für einfachen Zugang zu den Inhalten der Ausstellung ausgelegt - und in dem Falle mal durchaus gelungen und nicht wie so oft langweilig und voreingenommen und die ausgestellten Objekte ansprechend präsentiert.
Fotografieren ist erlaubt, solange der Blitz nicht benutzt wird, leider sind die Ausstellungsräume recht Dunkel und die Spots spiegeln sich dann entsprechend im Vitrinenglas - eine ungünstige Kombination für Unsereinen.

Die Audio-Tour ist wirklich gut gestaltet und wird mittels Sensoren gesteuert, die den jeweils passenden Text zu den Szenen einspielt, an denen man sich befindet.
Außerdem stellen sich im Eingangsbereich 4 Personen vor, die die Zeit aus ihrer jeweiligen Perspektive schildern und dem Besucher helfen sollen, sich in die damalige Zeit hineinzuversetzen - ein deutscher Leutnant, ein GI der 101th Airborne, ein 13 jähriger belgischer Junge und eine Lehrerin aus Bastogne. Durchaus als gelungen zu bezeichnen.

Sherman im Eingangsbereich

Im Original erhalten gebliebende Befehle und Erläuterungen der unter dem Tarnnamen "Wacht am Rhein" geplanten Offensive, die Model nochmal expliziet die von ihm favorisierte "Kleine Lösung" untersagte: Vorstoß zur Maas und dann Eindrehen nach Norden, um die dort kämpfenden Verbände der Amerikaner und Briten einzukesseln und zu zerschlagen.
Hitler indess bestand auf Durchführung der "Großen Lösung", der Einnahme von Antwerpen, um den Alliierten den leistungsfähigen Hafen wieder zu entreißen:



GI und US-Tanker inkl. zugehörigem Equipment wie Bazooka M1 Garant etc.

Pionier der Wehrmacht und US Army mit Sonde und Drahtschere

US Pilot und Infanterist der Glider Infantry, A5 Dropbox mittig und Fallschirm

Winterausrüstung der in den Ardennen kämpfenden Gegner

Ausrüstungsdetails eines Infanteristen der Wehrmacht

Sergeant 327th Glider Infantry Regiment, 101th Airborne

Willys Jeep des 327th GIR

Kübelwagen

Im folgenden 3 Bilder eines abgeschossenen Shermans. Man erkennt, daß direkt neben dem großen Einschlag noch einen PaK-Treffer, auf Bild 2 die Größe des Durchschlags (was auch immer dieses Loch verursacht hat) und auf Bild 3, wie die Explosion sich auf der anderen Seite des Shermans Platz verschafft hat. Alle Armaturen im inneren sind von Splittern durchsiebt, das Trefferbild kann eigentlich niemand überlebt haben ...





Jagdpanzer 38(t) "Hetzer"

verschiendene deutsche Uniformen der im Rahmen der Ardennenoffensive eingesetzen Einheiten

deutscher Infanterist in Sumpftarn-Uniform mit StG44

GI´s der 10th ID und 101th Airborne vor ihren Divisionsfahnen

britischer Panzerfahrer und Infaterist der 17th Airborne

das Abzeichen der 17th Airborne

Im folgenden Bild zu sehen ist links ein Fallschirmjäger des Unternehmens Stößer unter dem Kommando von Friedrich August von der Heydte, bei dem Fallschirmjäger hinter der alliierten Frontlinie abspringen und Kräfte von der umkämpften Front abziehen und binden sollte.
Aufgrund der unerfahrenen Piloten der JU-Transportmaschinen wurden die Fallschirmjäger verstreut über den halben Ardennen abgesetzt und das Unternehmen schlug fehl.

Rechts ist ein als GI verkleideter Angehöriger des Kommandos Skorzeny zu sehen, daß vor der Offensive mit Infanterietrupps und als M10 getarnten Panthern durch die feindlichen Linien schlüpfen, Verwirrung stiften und wichtige Brücken sichern sollte.
Auch dieses Kommandounternehmen schlug von wenigen Ausnahmen abgesehen im Großen und Ganzen fehl, die meisten Angehörigen wurden gefaßt und standrechtlich erschossen.


Die folgenden 3 Bilder zeigen einen Soldaten einer nicht näher spezifizierten Luftwaffen Felddivision mit einem näheren Blick auf seine Uniformjacke im sogenannten "Splittertarn", amtliche Bezeichnung "Buntfarbenmuster 31" und dem Fallschirmjägergewehr 42





Die folgenden Bilder zeigen Ausrüstung und Waffen der gegnerischen Armeen:

abgeworfener Zusatztank der Luftwaffe

MG42 a sMG auf Dreibein und Granatwerfer 34 (8cm)

Panzerschreck

Granatwerfer und sMG der US Army


Sanitäter beider Seiten, die notdürftig zusammenflicken sollten und mußten, was der Krieg an Wunden gerissen hatte - auch ummöglichst viel von dem Treibstoff zu bewahren, der einen Krieg überhaupt am Laufen hält: Soldaten

alliierte Sanitäter und ihre Ausstattung

deutscher Sanitäter und verwendete Ausrüstung


Auch 2 originale Uniformteile von 2 Generälen der Gegner der Ardennenoffensive gehören dem Museum - oben zu sehen die von Omar Nelson Bradley, darunter der Ledermatel von Hasso Eccard von Manteuffel, Befehlshaber der 5. Panzerarmee, die als einzige mit ihren Spitzen die Maas fast erreicht hätte, nämlich bei Dinant.




Zum Ende des Rundganges, der sich über 2 Etagen erstreckt, werden einerseits Gegenstände der den Kämpfen ausgesetzten unzähligen Zivilisten präsentiert, als auch eine Auswahl der unzähligen militärischen Funde aus der Schlacht in den Ardennen.






Den Abschluß bildet ein Diorama mit stilisierten Gräbern von kurz vor Ende der Kampfhandlungen noch getöteten Zivilisten und Soldaten, die die ganze Sinnlosigkeit von Krieg verdeutlichen soll und einen dann wirklich innehalten läßt.




Wie gesagt befindet sich das Bastogne War Museum unmittelbar neben dem Mardasson Memorial, das 1950 errichtet wurde und an die US-Soldaten erinnern soll, die im Laufe der Ardennenschlacht gefallen sind.



Auf dem Dach des Memorials sind am Ende der jeweiligen Spitzen des Pentagramms Bronzetafeln angebracht die zeigen, welche Kämpfe in der jeweiligen Blickrichtung stattfanden, in die die Spitze zeigt.
Im gewählten Bild ist dies die Blickrichtung zum Kampfgebiet der oben erwähnten Easy-Company.





Die Besuchsdauer ist vom Museum auf ca. 2h angesetzt, der letzte Einlass findet entsprechend dann auch nur bis 2 Stunden vor Schließung des Museums statt und diese 2h braucht man auch, wenn man nicht gerade im Dauerlauf durch die Ausstellung prescht.

Unser Heimweg verlief dann ähnlich dem Hinweg, nur dann durch Luxemburg, wiederum meist abseits der Hauptstraßen und so stießen wir noch auf folgendes Denkmal in Lullingen/Lullange:

Auf ihrem Vormarsch nach Ende der Ardennenschlacht wunderten sich die US Soldaten, daß sie inmitten der Zerstörungen auf ein unbeschädigtes Dorf stießen und fanden die Erklärung scheinbar darin, daß es hier eine Kapelle der Heiligen Barbara gab, der Schutzheiligen der Artilleristen (und aller mit Kanonen ausgestatteten Truppen, ergo auch Panzern und Panzerjägern).
Sie umringten die Kapelle mit ihren Panzern und mit Helm ab zum Gebet beteten sie zu ihrer Schutzheiligen.
Die Kapelle wurde dann anschließen noch von den Tank-Destroyers renoviert (leider schweigt sich die Erinnerungstafel darüber aus, welche Einheiten genau es waren).
Am 2. März 1945 zogen die letzten US Soldaten aus Lullingen ab und hinterließen eine Erinnerungstafel in der Kapelle, die nun am von Panzerketten umrandeten Denkmal angebracht ist.

besagtes Denkmal - GPS-Daten: N 50.058512° O 5.942614°

und die Kapelle der heiligen Barbara

Ein absolut lohnenswerter Ausflug in die Geschichte und da Bastogne und Umgebung noch mehr zu bieten hat, waren wir sicher nicht zum letzten Mal hier.